Ich schreibe Gedichte oft so vor mich hin. Sie sind nicht perfekt und sollen es auch gar nicht sein. Es ist einfach das, was mir durch den Kopf geht. Das erste Gedicht mit dem Namen Todesbräute habe ich während der Reha in Bad Zwischenahn geschrieben. Ich war an Gebärmutterkrebs erkrankt und erholte mich dort von der OP. Als ich die anderen Frauen sah und von ihren Schicksalen erfuhr, wurde mir bewusst, wie viel Glück ich hatte.
Todesbräute
Die Glatzen verborgen unter riesigen Mützen .
Perücken jucken, ohne Gnade. Die Gesichter fahl, die Augen tief.
Innerlich tot, mit gespielten Lachen im Gesicht.
Ausgeweidete Leiber, mager und schlapp.
Zwischen ihnen tanzt der Tod seinen wilden Reigen, verliebt sich täglich neu in seine Bräute.
Schwingt die Sense. Bereit zur Ernte.
"Heute backe ich, morgen braue ich und übermorgen hole ich dich und dich und dich!"
Verzweifelt klammern sie sich ans Leben. Die Glatzenfrauen wollen nicht sterben.
Klammern sich an die Hoffnung auf Heilung.
Doch schon bald liegen sie bleich und starr in ihren Särgen, weinende Menschen um sie herum.
Der Wind streicht leise über ihre Gräber.
Das nächste Bataillon sterbender Frauen steht schon in Reih und Glied.
Wieder tanzt der Tod um sie herum.
Aus meiner Asche wächst ein Baum groß und stark, wie ich einst war.
Leg deine Stirn an meinen Stamm und du wirst spüren, dass ich noch da bin.
Meine Blätter streicheln dein Haar.
Ballerina
Ein kleines, dickes Mädchen wollte gerne zum Ballett.
Doch die Eltern sprachen, Kind, du bist zu fett!
Die anderen Kinder lachen dich ganz furchtbar aus.
Drum raten wir dir dringend, bleib brav bei uns zu Hause.
Nimm Schoki und auch Kuchen, dann bist du nie allein.
Die zwei sollen ab heute deine besten Freunde sein.
Von da an saß das Mädchen nur noch im Zimmer rum.
Die Laune wurde düster und der Rücken krumm.
Was stimmt denn nur mit mir nicht? Ich sehe doch niedlich aus!
Doch das konnte ja nicht stimmen, drum ging sie nicht mehr raus.
Aus Kummer aß sie weiter, bald war sie richtig fett.
Doch als sie eine Frau war, fand sie das gar nicht nett.
So kann es nicht weitergehen, beschloss sie mit der Zeit.
Es muss etwas geschehen, ich bin dazu bereit.
Dabei blieb es nicht sehr lange, der Hunger war zu groß.
Ihr wurde angst und bange.
Was mache ich denn bloß?
Der Schweinehund wurde größer, wuchs täglich Stück für Stück.
Wenn sie das hier überlebte, hatte sie verdammt viel Glück.
Die Eltern wussten es nicht besser, waren selbst gute Esser.
Hatten die gleichen Sorgen, verschoben ihr Leben stets auf morgen.
So vererbt es sich weiter, bis einer kommt und spricht
Ich mache so nicht mehr weiter, denn Fett sein will ich nicht.
Sommer
Sonnenstrahlen auf der Haut liebkosen mein Gesicht.
Locken sanft meine Sommersprossen.
Kommt heraus und lasst uns spielen.
Die Wärme trocknet meine Kleidung, die noch klamm vom letzten Regen ist.
Meine Gedanken fliegen über das Wasser. Leicht. Vom Wind getragen.
Die Möwen schnappen sie sich und tragen sie hoch in den Himmel hinauf.
Sollen sich die Engel darum kümmern!